Sinn-Ökonomie

Das Notwendige, der Überfluss und das Maß

In der Konsumgesellschaft des heutigen, westlichen Europas sind die Grundbedürfnisse meist erfüllt. Besonders junge Menschen entwickeln andere Ansprüche an Konsumgüter, aber auch an ihre Arbeit. Sie hinterfragen den Zweck oder die Nachhaltigkeit von Produkten. Sie wägen ab, was sie teilen anstatt zu besitzen. Sie wollen in Unternehmen arbeiten, die sich sozial oder ökologisch engagieren. Maßvoller Umgang mit Ressourcen und ein ausbalanciertes Gemeinwohl ist ihnen wichtig.
Die Abkehr von der rein profitorientierten Ausrichtung eines Wirtschaftssystems, verbunden mit der der Sinnsuche im ökologischen und sozialen Gemeinwohl nennt sich im Deutschen Sinn-Ökonomie oder auch Gemeinwohl-Ökonomie.
Als prägend für den englischen Namen, „Purpose Economy“ dieses Trends gilt das gleichnamige Buch des US Ökonomiepsychologen Aaron Hurst. Kernidee ist ein Wirtschaftswandel nach dem Grundsatz, dass Gewinne Mittel zum Zweck sein sollten und kein Selbstzweck. Eine Haltung, die wie eine Rückbesinnung auf Aristoteles klingt: Dieser unterscheidet zwischen Ökonomik als natürliche Erwerbskunst und Chrematistik als widernatürliche Erwerbskunst.

Die Ökonomik leitet sich vom griechischen Wort oikos für Haus ab. Es geht darin um die Haushaltsführung, also der Beschaffung und Bewahrung von genau so vielen Gütern, wie für das Haus oder (im übertragenen Sinne) den Staat notwendig sind. Überflüssiges kann verschenkt oder eingetauscht werden – auch gegen Geld. Überfluss gezielt herbeizuführen, um Geld des Geldes wegen anzuhäufen, sieht Aristoteles kritisch. Dies ist der Kerngedanke der Chrematistik – hier geht es um Geldvermehrung und maßlosen Gewinn.

Das Geldwesen und eine Geldverfassung spielen bei der geschichtlichen Entwicklung vom Tugend- zum heutigen Marktmodell eine wichtige Rolle: Denn kommt der Überfluss anderen zu Gute, wandelt er sich in etwas Unverderbliches: Geld. Damit werden Handel und das dazu notwendige Geld oder vorgestrecktes Geld (Kredit) zur notwendigen Bedingung heutiger Gesellschaften.

Maßvolles Wirtschaften ist bei Aristoteles grundlegend. Das Maß für angemessenes Haushalten ergibt sich einerseits durch eine tugendhafte Haltung und andererseits durch die Definition von „notwendig“. Eine tugendhafte Haltung in diesem Sinne wird heute von vielen Menschen durch die Sinn-Ökonomie wieder eingefordert –maßvolles wirtschaften bemessen an dem, was für Menschen wirklich von Wert ist: Sinn, gelingendes Leben oder Freude.

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